Wenn man in Westaustralien das
Landesinnere bereist, dann hat man wahrlich das Gefühl das Australien gesehen
zu haben, welches von den Medien vermittelt wird: roter Sand, ein paar Büsche
hier und da, Kängurus in der Ferne und unglaublich beeindruckende Sonnenuntergänge.
Wie gesagt, hatten wir uns auf den
Weg nach Tom Price, einem kleinen Ort in der Nähe des Karijini National Parks
gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir an, die Touri-Information schloss
gerade ihre Türen und wir suchten nach einer Unterkunft. Wie schon die gesamte
Zeit über hatten wir nichts im Voraus gebucht, da die richtige Touristensaison
noch nicht begonnen hat und wir uns somit sicher wägten etwas zu finden. In Tom
Price wurden wir dann das erste Mal vor die Nase gestoßen.
Hauptsächlich handelt es sich hier um
eine Minenstadt, die durch das Kommen und Gehen der Minenarbeiter und gelegentlicher
Touristen eigentlich immer recht voll ist. Es gab insgesamt drei
Unterkunftsmöglickeiten. Ein Hotel (Einzelzimmer um die 290$), ein Hotel/Motel
(Doppelzimmer etwa 280$) und ein Campingplatz wo ein Bett im Vierer-Schlafsaal
45$ kostete. Selbstverständlich stellten wir uns beim letzteren vor. Es
begrüßte uns Linda, die Herrin des Platzes, mit den Worten: „Wie – ihr habt
nichts gebucht? Ja, tut mir leid, wir sind voll. Und das Hotel/Motel ist auch
ausgebucht.“ Damit hatten wir nicht gerechnet. Nach etlichen Vorschlägen (wir
fahren ins 300km entfernte Newman und suchen da nach einer Unterkunft, wir
kaufen oder mieten ein Zelt, wir schlafen im Auto, …) entschied sich Linda dann
doch um und teilte uns mit, dass sie noch ein Viererzimmer für eben 45$ pro
Person frei hätte! Ihr könnt euch sicherlich unsere Reaktion vorstellen die
sich zwischen: Ein Glück! Was für eine
Erleichterung! und Warum konnte sie
das nicht gleich sagen? Wieso führt sie uns an der Nase herum? Was für
Spielchen treibt sie mit uns? Bewegten.
Wir wollten auch die nächste Nacht
dort verbringen, doch konnte sie uns nur zu 99% versichern, dass das Zimmer
noch frei sei. Sie erwartete eine Gruppe Arbeiter, die das Zimmer gebucht
hatten 4 Tage später. Und man wüsste ja nie, vielleicht kämen sie ja früher an.
Dasselbe Spielchen trieb sie auch mit uns am dritten Tag. Jeden Morgen mussten
wir ausziehen um dann abends zu hoffen, dass sie uns wieder Einlass gewährt.
Wir waren also etwas angespannt. Aber alles lief gut und zum Schluss war sie
uns schon fast wohlgesonnen.
Karijini war wie erwartet grandios!
Den ersten Tag erkundeten wir den für uns zugänglichen Teil (also geteerte
Straßen) und waren sprachlos ob der Schönheit der Schluchten, Wasserfälle und
Wanderwege! Am nächsten Tag hatten wir dann eine Tagestour gebucht, die uns
auch zu den Teilen des Parks brachte, der nur mit einem Allradantrieb zu
erreichen sind (und es war mehr als holprig!). Mit uns auf der Tour waren noch
zwei Deutsche in unserem Alter aus der Nähe von Bremen und vier Rentner aus Südaustralien,
die ihr Leben auf einer Milchfarm verbracht hatten was dazu führte, dass wir
nun alle ein unglaublich ausgedehntes Wissen über jegliche Prozesse der
Milchverarbeitung und Kuhhaltung haben. Die Reiseleiterin war supermotiviert
und unglaublich nett und der Tag wurde zum vollen Erfolg!
Anschließend machten wir uns wieder
auf den Weg nach Süden auf einem einsamen Highway. Hier gibt es wirklich nichts
mehr. Die Straßen werden von sogenannten Roadtrains dominiert. Das sind sehr lange
LKW (bis zu vier Wagen), die Frachten
durchs Land transportieren. Ansonsten gibt es hier vielleicht alle 300km mal
ein kleines Roadhouse oder einen kleinen Ort – sonst nichts, was an
Zivilisation erinnert. Ab und zu wechselt die Landschaft von hohen zu niedrigen
Büschen, zu verbrannten Streifen und Graslandschaft und überall dominiert die
rote Erde.. Hier gibt es deutlich weniger tote Tiere am Straßenrand, aber das
kann auch daran liegen, dass hier deutlich weniger Fahrzeuge langfahren und die
meisten, wie wir, nur im Hellen unterwegs sind. 2 komplette Tage fuhren wir
durchs wundervolle Nichts bevor uns auf einmal mit voller Wucht die
Zivilisation traf. Autos, Menschen, Häuser – das alles wirkte plötzlich recht
unwirklich.
Aber wir haben es geschafft. Wir
sind jetzt im Süden Perth’s und haben die Nacht in Bunbury verbracht. Ab heute
geht es weiter nach Süden in die Weinregion Margaret River und in einem Loop
wieder zurück nach Perth. Von dort werde ich euch dann das nächste Mal
berichten!