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Sonntag, 30. Juni 2013

Hit The Road, Jack!



Wenn man in Westaustralien das Landesinnere bereist, dann hat man wahrlich das Gefühl das Australien gesehen zu haben, welches von den Medien vermittelt wird: roter Sand, ein paar Büsche hier und da, Kängurus in der Ferne und unglaublich beeindruckende Sonnenuntergänge. 

Wie gesagt, hatten wir uns auf den Weg nach Tom Price, einem kleinen Ort in der Nähe des Karijini National Parks gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir an, die Touri-Information schloss gerade ihre Türen und wir suchten nach einer Unterkunft. Wie schon die gesamte Zeit über hatten wir nichts im Voraus gebucht, da die richtige Touristensaison noch nicht begonnen hat und wir uns somit sicher wägten etwas zu finden. In Tom Price wurden wir dann das erste Mal vor die Nase gestoßen. 

Hauptsächlich handelt es sich hier um eine Minenstadt, die durch das Kommen und Gehen der Minenarbeiter und gelegentlicher Touristen eigentlich immer recht voll ist. Es gab insgesamt drei Unterkunftsmöglickeiten. Ein Hotel (Einzelzimmer um die 290$), ein Hotel/Motel (Doppelzimmer etwa 280$) und ein Campingplatz wo ein Bett im Vierer-Schlafsaal 45$ kostete. Selbstverständlich stellten wir uns beim letzteren vor. Es begrüßte uns Linda, die Herrin des Platzes, mit den Worten: „Wie – ihr habt nichts gebucht? Ja, tut mir leid, wir sind voll. Und das Hotel/Motel ist auch ausgebucht.“ Damit hatten wir nicht gerechnet. Nach etlichen Vorschlägen (wir fahren ins 300km entfernte Newman und suchen da nach einer Unterkunft, wir kaufen oder mieten ein Zelt, wir schlafen im Auto, …) entschied sich Linda dann doch um und teilte uns mit, dass sie noch ein Viererzimmer für eben 45$ pro Person frei hätte! Ihr könnt euch sicherlich unsere Reaktion vorstellen die sich zwischen: Ein Glück! Was für eine Erleichterung! und Warum konnte sie das nicht gleich sagen? Wieso führt sie uns an der Nase herum? Was für Spielchen treibt sie mit uns? Bewegten. 

Wir wollten auch die nächste Nacht dort verbringen, doch konnte sie uns nur zu 99% versichern, dass das Zimmer noch frei sei. Sie erwartete eine Gruppe Arbeiter, die das Zimmer gebucht hatten 4 Tage später. Und man wüsste ja nie, vielleicht kämen sie ja früher an. Dasselbe Spielchen trieb sie auch mit uns am dritten Tag. Jeden Morgen mussten wir ausziehen um dann abends zu hoffen, dass sie uns wieder Einlass gewährt. Wir waren also etwas angespannt. Aber alles lief gut und zum Schluss war sie uns schon fast wohlgesonnen. 

Karijini war wie erwartet grandios! Den ersten Tag erkundeten wir den für uns zugänglichen Teil (also geteerte Straßen) und waren sprachlos ob der Schönheit der Schluchten, Wasserfälle und Wanderwege! Am nächsten Tag hatten wir dann eine Tagestour gebucht, die uns auch zu den Teilen des Parks brachte, der nur mit einem Allradantrieb zu erreichen sind (und es war mehr als holprig!). Mit uns auf der Tour waren noch zwei Deutsche in unserem Alter aus der Nähe von Bremen und vier Rentner aus Südaustralien, die ihr Leben auf einer Milchfarm verbracht hatten was dazu führte, dass wir nun alle ein unglaublich ausgedehntes Wissen über jegliche Prozesse der Milchverarbeitung und Kuhhaltung haben. Die Reiseleiterin war supermotiviert und unglaublich nett und der Tag wurde zum vollen Erfolg! 

Anschließend machten wir uns wieder auf den Weg nach Süden auf einem einsamen Highway. Hier gibt es wirklich nichts mehr. Die Straßen werden von sogenannten Roadtrains dominiert. Das sind sehr lange LKW (bis zu vier Wagen),  die Frachten durchs Land transportieren. Ansonsten gibt es hier vielleicht alle 300km mal ein kleines Roadhouse oder einen kleinen Ort – sonst nichts, was an Zivilisation erinnert. Ab und zu wechselt die Landschaft von hohen zu niedrigen Büschen, zu verbrannten Streifen und Graslandschaft und überall dominiert die rote Erde.. Hier gibt es deutlich weniger tote Tiere am Straßenrand, aber das kann auch daran liegen, dass hier deutlich weniger Fahrzeuge langfahren und die meisten, wie wir, nur im Hellen unterwegs sind. 2 komplette Tage fuhren wir durchs wundervolle Nichts bevor uns auf einmal mit voller Wucht die Zivilisation traf. Autos, Menschen, Häuser – das alles wirkte plötzlich recht unwirklich. 

Aber wir haben es geschafft. Wir sind jetzt im Süden Perth’s und haben die Nacht in Bunbury verbracht. Ab heute geht es weiter nach Süden in die Weinregion Margaret River und in einem Loop wieder zurück nach Perth. Von dort werde ich euch dann das nächste Mal berichten!


Hoch in den schönen Norden



Dass in Australien nicht immer die Sonne scheint haben wir nun auch zu spüren bekommen. Heute ist schon der zweite ekelige Tag in Folge und es ist keine Besserung in Sicht. Bei tief hängenden Wolken und ununterbrochenen Regenfällen macht das Reisen dann doch nicht mehr so viel Spaß. Vor allem, wenn man statt drinnen zu sitzen oder im Auto zu fahren auch am Strand liegen und Schnorcheln könnte. Aber man kann eben nicht alles haben. Und wir machen natürlich das Beste draus! 

In meinen letzten Eintrag habe ich vom Highway 1 auf dem Weg nach Denham berichtet. Dort sind wir dann zum Glück auch heil angekommen, was nicht so ganz selbstverständlich ist. Kurz nach uns trafen zwei Jungs ein, ihre Auto auf einem Abschleppwagen. Sie hatten ein Känguru getroffen und das Auto war nun unbrauchbar (den beiden war aber glücklicherweise nichts geschehen). Eins der größten Ziele in der Nähe von Denham war Monkey Mia, ein Ort in dem täglich morgens Delfine gefüttert werden. Auch wenn wir früh aufstehen mussten – es hat sich gelohnt! Wir sahen viele Delfine und sogar eine Schildkröte! 
Streicheln verboten!

ein Delfin

und die Schildkröte!

Dann begaben wir uns auf die Suche nach einem Wanderweg und fanden die Little Lagoon – eine kleine hellblaue Lagune mitten in der Landschaft. Bis zu 3m tief und bewohnt vom nicht ganz ungefährlichen Stonefisch (was in Australien ist denn auch ungefährlich…). Der Stonefisch, nur zu eurer Information, tarnt sich als Stein, hat aber viele spitze Stacheln die sich dem unbedachten Strandwanderer in die Fußunterseite bohren können. Kein schöner Gedanke. Wir beschlossen die Lagune einmal zu umlaufen (etwa 3km). Doch Lagunen haben es so an sich, eine Verbindung zum Meer aufzuweisen. Und diese ist durchaus auch mit Wasser gefüllt. Nachdem wir also den ganzen Arm bis an die Küste entlangliefen und nirgendwo eine Art Landbrücke entdeckten beschlossen wir es mit dem Stonefisch aufzunehmen und die Lagune zu Fuß zu durchqueren. Tatsächlich haben wir es alles heil bis ans andere Ufer geschafft, wenn auch etwas nasser als erwartet und etwas länger als erwartet – wir sind sicherlich die doppelte Strecke gelaufen!



waten durch Wasser (es wurde noch deutlich tiefer!)
In Denham bin ich auch das erste Mal so richtig im Pazifik plantschen gegangen (kalt und salzig, wie zu erwarten war). Wir haben mal wieder ein paar Orte unterwegs besucht von denen mich besonders der sogenannte Shell Beach beeindruckte. Wie der (mal wieder überaus kreative) Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen Strand voller kleiner Muscheln! Überall! Und immer die gleichen! Wahrlich einmalig.
Wir schlängelten uns weiter nach Norden um schließlich erst in Coral Bay und heute dann auch in Exmouth zu übernachten – und wo sich gleichzeitig auch die Sonne verabschiedete. In Coral Bay hat uns das nicht vom Baden abgehalten – aber viel toller noch haben wir dort zu dritt eine enorme Sandburg errichtet. Eine Sandstadt besser gesagt! Das hat auch mehrere Stunden in Anspruch genommen bevor wir dann vor dem Regen flüchten mussten.  


shell Beach

Muscheln überall

Dünenwanderung in Exmouth


die Master der Stadtplanung

unsere bescheidene Festung

mit Hafen

Schafen, Windmühle und Galgen

Morgen machen wir uns auf den Weg nach Osten ins Landesinnere. Dort befindet sich West-Australiens Zweitgrößter Nationalpark. Karijini National Park soll einer der schönsten und beeindruckendsten Parks in Australien sein! Drückt die Daumen, dass sich das Wetter wieder bessert. 



Samstag, 29. Juni 2013

Teil 2: Der Wilde Westen


Der Abschied aus Brisbane und von Philipp kam schneller als erwartet und am Flughafen angekommen stellte sich bei mir etwas Panik ein, als ich gefühlte 20 Kleinkinder und Babys um mich herum rennen, lachen, weinen und kreischen hörte. Schließlich sollte der Flug 6 Stunden dauern. Glücklicherweise saß ich offenbar strategisch günstig und nur neben den stillen Kindern. Sehr gut. 

Ich muss zugeben, ich mag Perth sehr. Schon allein der Fakt, dass quasi an jeder Kreuzung ein aussagekräftiger Hinweispfeiler mit Karte und Infos steht und dass es drei kostenlose Buslinien gibt die durch die Innenstadt verkehren, macht die Stadt sehr besucherfreundlich. Das habe ich natürlich auch gleich mal ausgenutzt und bin mit jeder Linien einmal im Kreis gefahren. Das war ein Spaß sage ich euch. Und es vertreibt Zeit, falls man zu viel hat. 

Besonders gut hat mir Kings Park gefallen. Die Aussicht auf die Stadt ist großartig und der großzügige botanische Garten hat meinen Horizont merkwürdiger Gewächse durchaus erweitert. Nach der Ankunft von Ane und Felix haben wir auch noch einen nahen Strand (Cottesloe) und die berühmte Hafenstadt Freemantle besucht und dabei doch gleich unseren ersten Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean betrachtet. Dies sollte nicht das letzte Mal gewesen sein! Als Yannick tags darauf auch eintraf war unsere kleine Reisegruppe komplett – es konnte losgehen! 

Perth Skyline

Cottesloe Strandhaus

unser Auto

Nach einigen Reisevorbereitungen und einer Kassiererin die sich durchaus über das gut gefüllte Kassierband wunderte, holten wir unser mehr als geräumiges Auto ab und machten uns auf den Weg nach Norden. Das Wetter war seit der Ankunft der anderen fantastisch und sollte dies auch bleiben. Um euch nicht mit allen Details und kleinen Örtchen und Attraktionen zu langweilen will ich hier nur ein paar Highlights der letzten Woche widergeben. 

Unser erstes großes Ziel war der Sonnenuntergang über den Pinnacles bei Cervantes. Dabei handelt es sich um viele kleine fingerähnlich aus dem Boden ragenden Felsen. Wie genau die entstanden sind konnten wir keiner Hinweistafel entlocken, aber dafür konnten wir sie fast ganz allein genießen. Außerdem begegneten wir unseren ersten wilden Kängurus hautnah! Auch wenn wir uns nur wenige Stunden von Perth entfernt hatten merkte man deutlich, dass wir hier nicht im touristischen Amerika sind, sondern ziemlich weit ab vom Schuss und eben in Australien. Touristen scheint es besonders um diese Jahreszeit wenige zu geben. Es ist ja auch schließlich Winter. 
ein Känguru!

die Pinnacles in Cervantes



unser Hausstrand in Cervantes

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Kalbarri, einem Nationalpark. Der Weg dorthin war besonders aufregend, da Ane irgendwann auffiel, dass sie ihre Handtasche nicht mehr fand. 45min zuvor hatten wir in einem verschlafenen Örtchen Mittagsrast gemacht. Einen Anruf und 1,5h Autofahrt später war Ane allerdings wieder glücklich – die Mitarbeiter hatten ihre Tasche gefunden und aufbewahrt! Das gab Yannick, Felix und mir genügend Anlass den Spielplatz in Geraldton unsicher zu machen – zur Freude der anderen Kinder. Spannend waren auch die letzten Kilometer nach Kalbarri. Da die Sonne hier schon gegen 17:30Uhr untergeht mussten wir diese letzten Teil im Dunklen fahren. Dabei hatten wir unsere Rechnung nicht mit den Kängurus gemacht! Diese kamen unserem Auto teils gefährlich nahe, entschieden sich jedoch glücklicherweise immer dem Auto fern zu bleiben. Kängurus sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Man sieht sie des Öfteren (tot oder lebendig) am Straßenrand oder an Wanderwegen. 

und ein singendes und springendes Känguru

die Piratencrew auf dem Spielplatz in Geraldton

Spielplatzkönigin

sehr coole Strandtoiletten
Green Head Bay



Muschelstrand

Leider war der Nationalpark in Kalbarri wegen Straßenarbeiten für die Öffentlichkeit gesperrt, sodass wir nur mit einer kleinen Tour ein Ecke des Parks erkunden konnten: die Z-Kurve. Hier fließt der Fluss in seinem Canyon in der Form eines Z’s, nur leider führte er aufgrund mangelnder Regenfälle kaum Wasser. Ansonsten war der Park und auch generell die Gegend überraschend grün und bewachsen. Zwei weitere Schluchten konnten wir dann noch am nächsten Tag bewundern, doch auch hier halt: Wasser ist alle! 




In Kalbarri haben wir auch die lokalen Sehenswürdigkeiten betrachtet. Dazu gehörte das Red Bluff, welches eine interessante Geschichte birgt. Diese hier niederzuschreiben dauert zu lange, aber ich erzähle sie sehr gerne bei Gelgenheit! Außerdem war ein sogenannter "Mushroom Rock" - also ein Pilz-Felsen angekündigt. In wahrer Vorfreude auf einen nach Pilz aussehenden Stein wurde ich herb enttäuscht. Es handelte sich lediglich um einen Wanderweg. Dafür fand ich aber ein Steinkamel, was mich ungefähr genauso glücklich machte!


der Insel-Fels

eine natürliche Brücke

Pelikanfütterung

Sonnenuntergang am Red Bluff

Heute früh brachen wir aus Kalbarri auf um weiter nach Norden, um genau zu sein nach Denham, zu fahren. Die meiste Zeit verbrachten wir auf dem Highway 1, auf dem man Australien umrunden kann. Eine langweiligere Straße kann man sich kaum vorstellen. Im Abstand von einigen Stunden sieht man mal einen „Ort“ mit einer Tankstelle, einem kleinen Shop und ein paar Häusern. Sonst nichts. Zu unserer Freude ist die Erde hier wie erwartet rot und ab und zu kann man auch hier Emus, Kängurus und auch wilde Ziegen beobachten.
An sich ist es toll wie flexibel einen die Reise mit dem Auto macht. So können wir immer recht spontan entscheiden wohin es als nächstes geht und auf die Hinweise der lokalen Bewohner warten. Besonders in den Hostels sind die Leute sehr hilfreich. Die Landschaft ist sehr wechselhaft, doch zumeist in unseren Augen „untypisch“, da sehr grün aber dafür auch oft sehr einzigartig und beeindruckend und vor allem gespickt mit lauter tollen Tieren! Das Wetter war die letzte Woche einfach traumhaft ohne ein einziges Wölkchen am Himmel und die Gruppenstimmung ist sehr gut, sodass wir uns alle auf die nächsten Abenteuer freuen!

Sonnenuntergang in Denham